Schweizer Armee: Soldaten trainieren wieder Schutzbauten und Schützengräben
Im Ukrainekrieg trifft Zukunftsmusik auf Schnee von gestern – Soldaten auf beiden Seiten greifen zum Schutz vor modernen Waffensystemen auf altbewährte Massnahmen wie Schützengräben.
Dies führt bei Streitkräften auf der ganzen Welt zu Anpassungen der Ausbildung – so auch bei der Schweizer Armee.
Der Geniedienst aller Truppen trägt wesentlich zum Schutz gegen Bedrohungen jeglicher Art bei.
Die Armeeführung hat 2016 als Reaktion auf die verringerte Anzahl von Geniebataillonen die Einführung des «Geniediensts aller Truppen» beschlossen. Die Absicht dahinter ist einfach: Einheiten sämtlicher Truppengattungen sollen in der Lage sein, mit einfachen Mitteln und innert kurzer Zeit Genieaufgaben ausführen zu können. Dazu gehört nebst der Unterstützung ziviler Behörden insbesondere die Abwehr eines militärischen Angriffs. Während die Einführung dieses Konzepts also noch vor dem Ukrainekrieg beschlossen wurde, hat insbesondere der letzte Punkt durch die aktuelle sicherheitspolitische Lage an Bedeutung gewonnen.
Von Bremgarten in die ganze Schweiz
Um das nötige Fachwissen aus dem Lehrverband Genie/Rettung/ABC in die Truppenkörper zu bringen, finden seit 2022 Kurse für die neugeschaffene Funktion des Einheits-Bauchefs in Bremgarten statt. Die Funktion ist gradunabhängig. Die dafür rekrutierten Armeeangehörigen (AdA) sollten aber Kenntnisse aus dem Zivilleben mitbringen. Gesucht werden deshalb vor allem Baufachleute mit handwerklichem Hintergrund.
Bei den zweitägigen, ausserdienstlichen Kursen finden sich folglich vom Soldaten bis zum Hauptmann AdA aus unterschiedlichsten Berufen ein. Am ersten Ausbildungstag werden theoretische Inhalte vermittelt. Mittels Arbeitshilfen, Bauanleitungen- und -plänen wird aufgezeigt, wie die Bauchefinnen und Bauchefs Material bestellen und ihre Kommandantinnen und Kommandanten beraten können, um möglichst wirksame Geniearbeiten ausführen zu können. Der zweite Tag ist der Konzeptarbeit gewidmet. Das Erlernte wird direkt angewendet und Konzepte erstellt, welche die Härtung eines Standorts behandeln.
Dank des vorhandenen Wissens der Miliz kann die Ausbildungszeit auf einem Minimum gehalten werden. So können die AdA mehr Diensttage in ihren Einheiten leisten und dabei einen echten Mehrwert generieren.
Pragmatismus ist gefragt
Stabsadjutant Patrick Hehli ist seit Oktober 2025 Leiter der Fachstelle Geniedienst aller Truppen. Er und das Team des Einsatz- und Ausbildungskommando Genie / Rettung 74 bleiben mittels Erkenntnissen aus dem Ukrainekrieg sowie dem sporadischen Austausch mit ausländischen Streitkräften auf dem aktuellen Stand der Entwicklungen in ihrem Fachbereich. Er sagt: «Der Schutz und das Überleben am eigenen Standort ist der Hauptfokus unserer Ausbildung». Die Bauchefinnen und Bauchefs müssen in der Lage sein, mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln wirksame Schutzbauten zu errichten. Grössere Baumaschinen wie beispielsweise Bagger können nur von Geniebataillonen eingesetzt werden. Dennoch kann insbesondere im Bereich der Härtung grosse Wirkung zugunsten des Selbstschutzes erzielt werden. «Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt und die Bauchefinnen und Bauchefs, die wir ausbilden, sind sehr motiviert. Sie setzen ihr Wissen und ihre Mittel kreativ ein und erreichen Erstaunliches», weiss Stabsadjutant Hehli die Arbeit zu schätzen.
Zwischen Kompetenzerhalt und Neukonzeption
Zum Geniedienst aller Truppen hat es bis in die 1990er Jahre ein ähnliches Konzept gegeben, von dem man bei der Planung des Bauchef-Kurses profitieren konnte. So waren beispielsweise die Dokumentationen und alten Reglemente noch vorhanden. Gemeinsam mit den Ingenieurstäben der Territorialdivisionen wurde auf diesem Wissen aufgebaut und die Ausbildung neu konzipiert. Wie bei der Alimentierung der Bauchefinnen und Bauchefs wird auch hier das Wissen aus der Miliz genutzt. Aus dieser Zusammenarbeit entstehen sechs Arbeitshilfen, wovon die drei Teilbereiche Eigener Standort, Verkehrsträger und Naturgefahren bereits veröffentlicht wurden.
Teilnahme an Kursen
Interessierte AdA, die über die nötigen Kompetenzen verfügen, Interesse an der Materie haben und mindestens noch 77 Diensttage leisten müssen, können sich bei ihren Kommandantinnen und Kommandanten melden. Die Bauchef-Kurse finden jeweils im Januar und November statt und dauern zwei Tage. Das Einsatz- und Ausbildungskommando Genie / Rettung 74 in der Kaserne Bremgarten ist für die Durchführung zuständig.
Quelle: Schweizer Armee / VBS
Bildquelle: © VBS/DDPS Gian-Luca Weidinger